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Großes Kino - kleines Kino

Wer sich hauptberuflich mit Video und Film beschäftigt, ist - wenn nicht gleich Cineast - so doch meist dem kommerziellen Film nicht abgeneigt. In unserem letzen Beitrag haben wir eine Szene aus "Hollywood" beschrieben, die uns zum Test eines Kamerakrans inspiriert hat. Ganz so dramatisch wird es diesmal nicht. Das Stilmittel, das wir heute näher beschreiben möchten, ist die Schärfeverlagerung. Sie fehlt in keiner gängigen Filmproduktion. Beispiel gefällig? J.J. Abrams/Star Trek/2009: Chris Pine alias Kirk wird mittels Rettungskapsel auf Delta Vega ausgesetzt. Zuerst sehen wir nur die Wassertropfen auf der Scheibe der Kapsel - dann folgt die Schärfeverlagerung über das Amaturenbrett hin zum gerade zu Bewusstsein kommenden Kirk. Abrams nutzt das Stilmittel zur Exposition einer neuen Umgebung und führt den Charakter in seiner neuen "raumzeitlichen" Situation ein. Oder auch Quentin Tarantino in seinem  letzten Film Django Unchained. Wir sehen Kimme und Korn einer Waffe - im Hintergrund vorerst nur sehr verschwommene Lichtpunkte. Selbstverständlich geht der Blick auf den Teil des Bildes, der im Schärfebereich liegt. Dann folgt die (schnelle) Verlagerung der Aufmerksamkeit in den bisher unscharfen Hintergrund und die anvisierte Szene wird deutlich. Herausragend ist hier der Wechsel von einer Aufnahme im Macro-Bereich (Korn) hin zu einer Weitwinkelszene. 

Sieh mal ... dorthin!

Bekannt ist der Effekt der Schärfentiefe nicht nur aus der Fotografie - wir "sehen" es jeden Tag selbst. Und wir tun es auch selbst, in dem wir unsere Augen auf entsprechend nahe oder entfernte Sachen fokussieren. Die Schärfeverlagerung benutzen wir im Film deshalb so gern und häufig, weil sie einen simplen aber wichtigen Zweck erfüllt: Sie lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters. Der Blick wandert mit dem Schärfebereich mit. Insofern sollte in Voraus klar sein von Wo nach Wo das Auge des Betrachters gezogen werden soll - und ob das sinnvoll ist. Oder spannend. Oder zumindest interessant. Sonst wirkt ein Fokuspull schnell unmotiviert und verwirrend für den Betrachter.

Beim Filmen mit DSLR Kameras können wir durch die Wahl von Objektiv und Blende sehr starke Unschärfe erzeugen. Damit eröffnet sich uns die Möglichkeit, mit den Schärfe- und Unschärfegrenzen zu spielen und diese bewusst einzusetzten. Hier stoßen übliche Videokameras mit digitalem Zoom und ohne manuelle Einstellungsmöglichkeiten schnell an ihre Grenzen. Die Schärfe ziehen wir beim Filmen mit der DSLR mittels manueller Bedienung des Fokusrings nach und halten so das Gewünschte im Fokus.

Fokusring

Um Unschärfe als Stilmittel zu verwenden, ergeben sich für den Videografen verschiedene Möglichkeiten. Bei stabiler Kameraführung (d.h. die Kamera bewegt sich selbst nicht) können wir für die bewusste Verlagerung der Schärfe ebenso den Fokusring nutzen. Die zwischenzeitliche Unschärfe und hier im Besonderen die Zeit der Unschärfe passen wir den Gegebenheiten an. Wir möchten meist vermeiden, dass der Betrachter das Gefühlt hat, dass garnichts scharfgestellt ist. Für die Zeit zwischen den beiden angestrebten scharfen Bildausschnitten, gibt es aber keine festen Regeln. Hier liegt viel in den Händen des Videographen selbst und seinem persönlichen Stil. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein schneller Fokuspull dann angebracht ist, wenn die Fokuspunkte räumlich weit auseinander liegen und dazwischen keine fokussierbaren Objekte vorhanden sind. Eine langsame Verlagerung ist jedoch durchaus möglich, wenn dazwischen "etwas" ist, an dem sich das Auge zwischenzeitlich "festhalten" kann. Aber, und das sagen wir ganz frech - vieles ist Geschmacksache, probiert es einfach mal aus. Hier ein paar kurze Beispiele zur bewussten Verlagerung der Schärfe von einem Punkt zu einem anderen bei stabiler Kameraführung:

  

Weiters ist es möglich, die Schärfe mittels Bewegung der Kamera von einem Objekt zum anderen zu verändern. Für die Verlagerung der Schärfezone verwenden wir den folgenden Ablauf: Die Kamera ist auf einen Punkt/Objekt im Raum scharf gestellt. Der Fokusring wird in Position belassen. Dann wird die gesamte Kamera zum zweiten Objekt hin bewegt und in den gleichen Abstand gebracht - so ist dann dort die Schärfe wieder hergestellt. Je flüssiger die Bewegung der Kamera, desto besser der Verlangerungseffekt. Ebenso ist es möglich, statt von Schärfe zu Schärfe, aus der Unschärfe heraus zu einem klaren Bild zu wechseln. Das Bild materialisiert sich so aus dem Verschwommenen. Dazu hier ebenfalls ein paar kurze Beispielclips:

  

Die zuletzt genannte Methode können wir nur dann mit Erfolg verwenden, wenn wir die Möglichkeit haben, die Kamera so zu bewegen, dass das gewünschte Ziel im Schärfebrennpunkt der Kamera landen kann. Planen wir beispielweise einen Schwenk von einem Objekt auf dem Tisch hin zu einer Person im Raum, wird es schwierig! Wir können den Schärfebrennpunkt nicht immer so wählen, dass sich mittels einer flüssigen Bewegung beide Interesssenpunkte darin wiederfinden. Entsprechend nutzen wir eine Kombination aus den beiden oben beschriebenen Arten der Schärfeverlagerung. Dabei bewegen wir die Kamera und kontrollieren gleichzeitig die Schärfe über den Fokusring. Diese Variante erfordert nicht nur Geschick bei der Ausführung der Kamerafahrt, sondern auch ein gewisses Fingerspitzengefühl für die Verwendung des Fokusrings. Bei einer Kamerafahrt mittels Dolly oder Glide lässt sich die richtige Fokusebene noch recht einfach treffen. Meist bedarf es einiger Takes um die Geschwindigkeit der Fahrt und der Betätigung des Fokusrings perfekt aufeinander abzustimmen. Noch komplizierter wird es dann, wenn wir vom Monopod aus arbeiten. Hier bewegen wir die Kamera in verschiedene Richtungen und auf verschiedenen Ebenen. Aber wenn es die Zeit gestattet, ist der Effekt in der Regel die Mühen wert. Hier dazu ebenfalls ein paar Takes:

  

Fazit:
Schärfeverlagerung ist ein valides Mittel der Blickführung im Film. Wir nutzen es gerne, versuchen aber auch verschiedene Varianten zu filmen. Aus der Unschärfe zur Exposition - in die Unschärfe zum Abschluß - Schärfeverlagerung mit zwei oder mehr Schärfeebenen. Die Möglichkeiten der Schärfe/Unschärfegrenzen können wir spannend und vielseitig einsetzen. Ob die Schärfetiefe auch ein Stilmittel für eure Produktionen ist, gilt es nun auszuprobieren! Viel Spaß.

Gepostet um 11:10 am 9.04.2013 | Permalink | Kommentare (0)

Canon DSRL Kameras speichern für jeden aufgezeichneten Videoclip zwei verschiedene Dateien auf der Karte ab. Zum einen eine .mov Datei, zum anderen auch eine .THM Datei. Letztere ist ein von der Kamera generiertes Thumbnail, welches den ersten Frame des Clips zeigt. Damit wird es für Euch möglich, eine Ansicht auf dem Kameradisplay anzusehen und die Clips noch auf der Kamera zu durchsuchen/durchblättern.

IMG_0055

Das Thumbnail File ist meist zwischen 21 und 24 KB groß, lässt sich mit verschiedenen Programmen öffnen, darunter Paint oder auch MS Office Picture Manager. An Daten gibt es Euch aber neben dem Erstellungsdatum und der Byte-Größe nicht viel Information.

Eigenschaften_Allgemein_THMEigenschaften_Detail_THM

Wenn Ihr die .THM Dateierweiterung aber in .jgp ändert, passiert Folgendes: Euer Rechner wird Euch erstmal darauf hinweisen, dass dies in der Regel keine gute Idee ist. Bleibt standhaft – es zahlt sich aus! 

Umbenennen

Denn kaum hat das selbe File eine .jpg Erweiterung, enthält es plötzlich eine ganz Menge mehr Informationen über den Clip: Abmessung, Pixelzahl, Belichtungszeit, Blende und vieles mehr.

Eigenschaften_Details_1_jpgEigenschaften_Details_2_jpgEigenschaften_Details_3_jpgEigenschaften_Details_4_jpg

Das selbe gilt, wenn das frisch zum .jpg ernannte File in Lightroom importiert wird. Dort sind die Eigenschaften noch übersichtlicher aufgereiht und sogar das genutzte Objektiv kann angezeigt werden.

Eigenschaften_Lightroom

Wichtig werden könnte für Euch dieser kleine Trick möglicherweise dann, wenn sich die genaue zeitliche Einordnung (Uhrzeit) einer Aufnahme als schwierig erweist, wenn nicht mehr so ganz klar ist, mit welchem Objektiv gefilmt wurde oder bei welchen Kameraeinstellungen.

Aber Achtung: Die Informationen, die Ihr mit diesem kleinen Trick erhaltet, beziehen sich auf den ersten Frame des Videoclips. Da Ihr aber während einer Aufnahme beispielsweise ISO oder auch Blende und Shutterspeed/Belichtungszeit frei ändern könnt – ohne dass die Aufnahme dadurch unterbrochen wird – sind die Informationen dazu möglicherweise nicht für den ganzen Clip gültig. Zumindest aber sind es jene über Kameramodell, Kameramann und Objektiv.

Gepostet um 15:34 am 4.07.2011 | Permalink | Kommentare (0)

Wer Laufen will muss erstmal stehen können!
In der Fotografie verzichten wir meist auf Stative und ähnlich Hilfsmittel, um unsere Flexibilität zu bewahren. Ein gestochen scharfes Bild bekommen wir trotzdem, dank Anpassung von Belichtungszeit oder Blitz. Als Videographen hingegen ist Stabilitsation für uns eines der wichtigsten Themen. Beim Filmen geht es um saubere Kamerabewegungen, Schwenks, Glides und ähnliche Kamerafahrten. Bevor wir lernen konnten, wie wir bewegte Kameraeinstellungen drehen, mussten wir erst einmal lernen unsere Kamera stabil und ruhig zu halten.

Kameraarbeit bedeutet in verschiedensten Situationen die Kontrolle über den Bildausschnitt zu behalten. Gerade bei Events und Hochzeiten ist das wichtig. Wenn Katja keine vernünftige Stabilität für einen ruhigen Shot hat, während der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt, kommt kein “Cut! Nochmal auf Anfang!” vom Regiestuhl. Der Moment ist vorbei und die Einstellung wäre verloren.

Zwischen Stabilität und Flexibilität
Stativ, Monopod, Freihand... andere Situationen erfordern andere Technik. Die Entscheidung, wann wir welche Art Stabilisation verwenden, ist von mehreren Faktoren abhängig: dem nötigen Grad an Flexibilität, dem Radius an Bewegungsfreiheit, der Länge der Vorbereitungszeit, dem Objektiv und dem restlichen Equipment. Außerdem spielt auch die Bedeutung der einzelnen Szene eine Rolle.
Bei einer Hochzeit wissen wir meist, wo (und wann) Braut und Bräutigam ihre Treueschwüre sprechen werden. Das gibt uns Zeit ein besonders stabiles Stativ für diese Einstellung einzurichten und so diesen emotional bedeutenden Augenblick bestmöglichst einzufangen. In einer Situation dagegen, die eher Improvisation benötigt, beispielsweise wenn das Brautpaar die Glückwünsche der Gäste entgegennimmt, verwenden wir flexiblere Stabilisatonstechniken wie Monopods, mit denen wir uns freier bewegen und den Winkel der Einstellungen schneller verändern können.
Neben der Situation beeinflussen auch Objektivwahl und zusätzliches Equipment unsere Entscheidung für die Art der Stabilisation. Objektive mit IS sind auf dem Monopod leichter zu halten aber 200mm sind auch mit IS nur sehr schwer ruhig zu halten. Ein Richtmikrofon auf der Kamera schließt die Steadycam aus, da es die Balance negativ beeinflusst.

Hier drei (sehr kurze) Clips, die den Unterschied einer Stativ-, Monopod- und handgehaltenen Aufnahme zeigen:



Besser einen wackeligen, als keinen Shot?
Die klare Antwort ist  - Jein. Der Brautvater stimmt im Überschwang der Gefühle nach der Kirche ein Lied an, das Stativ steht noch im Altarraum, der zweite Kameramann holt grad den Audiorecorder von der Empore und du hast nur das Monopod dabei? Tja, Unvorhergesehenes passiert - es gilt, keine Zeit zu verlieren und trotzdem eine saubere Einstellung zu bekommen. Jetzt zahlt es sich aus, wenn man ruhig stehen kann. Oder vielleicht ist auch ein Baum, eine Wand, ein Geländer da, dass zusätzlich zur Stabilisierung genutzt werden könnte.

Übung macht den Meister.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, die Grenzen des jeweiligen Equipments genau zu kennen. Das muss jeder für sich selbst rausfinden. Nur weil der eine mit Monopod und Glidetrack einen sauberen Shot machen kann, heisst das nicht, das es jeder andere auch kann.
Welche Stabilisatonstechnik ein jeder für seine DSLR am Ende des Tages wählt, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die durch viel Ausprobieren und Erfahrung bestimmt wird. Ich arbeite generell lieber mit einem Monopod, während Ingo auf ein stabileres Stativ wechselt, sobald er kann. Sicher trägt es auch viel zum persönlichen Filmstil bei. Letztendlich ist es vor allem wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten und deren Grenzen zu kennen. Dann wird es einfacher anhand der vorgegebenen Situation eine Option zu wählen und diese auch bewusst bis ans Limit auszureizen.

Gepostet um 17:25 am 27.04.2011 | Permalink | Kommentare (1)

Das Licht...
...macht die Stimmung. Nicht nur - aber signifikant! Ein Ereignis wie eine Hochzeit nehmen wir mit allen 5 Sinnen auf. Der Geruch der Kerzen, das Korkenknallen beim Sektempfang, der seidige Satin des Brautkleides, der Geschmack der Torte und die Sonnenstrahlen in der sonst dämmrigen Kirche. Mit dem Medium Video können wir die visuellen und auditiven Eindrücke festhalten. Damit der Eindruck im Video sich mit dem in der Erinnerung deckt, versuchen wir nichts abzuändern. Das bedeutet für uns, den Originalton möglichst klar und unverfälscht aufnehmen - aber auch die Lichtverhältnisse nicht durch Zusatzbeleuchtung zu verändern.
Die Canon Kameras arbeiten auch im hohen ISO-Bereich gut. Zusammen mit einem lichtstarken - sagen wir 50mm f/1.2 - Objektiv, sind auch Aufnahmen bei begrenzten Umgebungslicht möglich. Bei weit offener Blende empfiehlt es sich hier aber eine gewisse Toleranz bei der Schärfefokussierung an den Tag zu legen.

Ein Beispiel
Das vergangene Osterwochenende war - zumindest bei uns in Bayern - schon fast sommerlich warm, Hoch “Stephanie” und dem generell sehr spät fallenden Osterfest sei es gedankt. Was lag näher, als mit Nachbarn und Freunden ein Osterfeuer zu machen. Der interessierte Leser kann sich dazu hier schlau machen.
Zu späterer Stunde hab ich meine Kamera genommen und meine Tochter am Feuer gefilmt. Die Aufnahmen stammen von einer 5D und ich hatte das 50mm f/1.2 drauf - ISO auf Maximum. Einzige Lichtquelle war das Feuer - das könnt ihr an der Lichtfarbe, die ich bewusst nicht angepasst habe -sehr schön sehen.

Ja, natürlich sind die Aufnahmen nicht gestochen scharf. Ja, das Rauschen bei den hohen ISO-Werten könnt ihr deutlich sehen. Ja, auch der Fokus ist mal off. Aber das macht alles nichts, denn die Kamera fängt den Augenblick mit den Lichtverhältnissen ein, wie sie tatsächlich waren. Und damit deckt es sich mit meiner Erinnerung und den damit verbundenen anderen Sinneseindrücken. Das Bild in der originalen Lichtstimmung bringt das Knistern, den Rauch, die Hitze und selbst den Geschmack vom Steckerlbrot zurück. Und genau darum geht es!

Gepostet um 7:36 am 25.04.2011 | Permalink | Kommentare (0)