1 Posts - Stabilisierung

Wer Laufen will muss erstmal stehen können!
In der Fotografie verzichten wir meist auf Stative und ähnlich Hilfsmittel, um unsere Flexibilität zu bewahren. Ein gestochen scharfes Bild bekommen wir trotzdem, dank Anpassung von Belichtungszeit oder Blitz. Als Videographen hingegen ist Stabilitsation für uns eines der wichtigsten Themen. Beim Filmen geht es um saubere Kamerabewegungen, Schwenks, Glides und ähnliche Kamerafahrten. Bevor wir lernen konnten, wie wir bewegte Kameraeinstellungen drehen, mussten wir erst einmal lernen unsere Kamera stabil und ruhig zu halten.

Kameraarbeit bedeutet in verschiedensten Situationen die Kontrolle über den Bildausschnitt zu behalten. Gerade bei Events und Hochzeiten ist das wichtig. Wenn Katja keine vernünftige Stabilität für einen ruhigen Shot hat, während der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt, kommt kein “Cut! Nochmal auf Anfang!” vom Regiestuhl. Der Moment ist vorbei und die Einstellung wäre verloren.

Zwischen Stabilität und Flexibilität
Stativ, Monopod, Freihand... andere Situationen erfordern andere Technik. Die Entscheidung, wann wir welche Art Stabilisation verwenden, ist von mehreren Faktoren abhängig: dem nötigen Grad an Flexibilität, dem Radius an Bewegungsfreiheit, der Länge der Vorbereitungszeit, dem Objektiv und dem restlichen Equipment. Außerdem spielt auch die Bedeutung der einzelnen Szene eine Rolle.
Bei einer Hochzeit wissen wir meist, wo (und wann) Braut und Bräutigam ihre Treueschwüre sprechen werden. Das gibt uns Zeit ein besonders stabiles Stativ für diese Einstellung einzurichten und so diesen emotional bedeutenden Augenblick bestmöglichst einzufangen. In einer Situation dagegen, die eher Improvisation benötigt, beispielsweise wenn das Brautpaar die Glückwünsche der Gäste entgegennimmt, verwenden wir flexiblere Stabilisatonstechniken wie Monopods, mit denen wir uns freier bewegen und den Winkel der Einstellungen schneller verändern können.
Neben der Situation beeinflussen auch Objektivwahl und zusätzliches Equipment unsere Entscheidung für die Art der Stabilisation. Objektive mit IS sind auf dem Monopod leichter zu halten aber 200mm sind auch mit IS nur sehr schwer ruhig zu halten. Ein Richtmikrofon auf der Kamera schließt die Steadycam aus, da es die Balance negativ beeinflusst.

Hier drei (sehr kurze) Clips, die den Unterschied einer Stativ-, Monopod- und handgehaltenen Aufnahme zeigen:



Besser einen wackeligen, als keinen Shot?
Die klare Antwort ist  - Jein. Der Brautvater stimmt im Überschwang der Gefühle nach der Kirche ein Lied an, das Stativ steht noch im Altarraum, der zweite Kameramann holt grad den Audiorecorder von der Empore und du hast nur das Monopod dabei? Tja, Unvorhergesehenes passiert - es gilt, keine Zeit zu verlieren und trotzdem eine saubere Einstellung zu bekommen. Jetzt zahlt es sich aus, wenn man ruhig stehen kann. Oder vielleicht ist auch ein Baum, eine Wand, ein Geländer da, dass zusätzlich zur Stabilisierung genutzt werden könnte.

Übung macht den Meister.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, die Grenzen des jeweiligen Equipments genau zu kennen. Das muss jeder für sich selbst rausfinden. Nur weil der eine mit Monopod und Glidetrack einen sauberen Shot machen kann, heisst das nicht, das es jeder andere auch kann.
Welche Stabilisatonstechnik ein jeder für seine DSLR am Ende des Tages wählt, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die durch viel Ausprobieren und Erfahrung bestimmt wird. Ich arbeite generell lieber mit einem Monopod, während Ingo auf ein stabileres Stativ wechselt, sobald er kann. Sicher trägt es auch viel zum persönlichen Filmstil bei. Letztendlich ist es vor allem wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten und deren Grenzen zu kennen. Dann wird es einfacher anhand der vorgegebenen Situation eine Option zu wählen und diese auch bewusst bis ans Limit auszureizen.

Gepostet um 17:25 am 27.04.2011 | Permalink | Kommentare (1)