5 Posts - April 2011

Wer Laufen will muss erstmal stehen können!
In der Fotografie verzichten wir meist auf Stative und ähnlich Hilfsmittel, um unsere Flexibilität zu bewahren. Ein gestochen scharfes Bild bekommen wir trotzdem, dank Anpassung von Belichtungszeit oder Blitz. Als Videographen hingegen ist Stabilitsation für uns eines der wichtigsten Themen. Beim Filmen geht es um saubere Kamerabewegungen, Schwenks, Glides und ähnliche Kamerafahrten. Bevor wir lernen konnten, wie wir bewegte Kameraeinstellungen drehen, mussten wir erst einmal lernen unsere Kamera stabil und ruhig zu halten.

Kameraarbeit bedeutet in verschiedensten Situationen die Kontrolle über den Bildausschnitt zu behalten. Gerade bei Events und Hochzeiten ist das wichtig. Wenn Katja keine vernünftige Stabilität für einen ruhigen Shot hat, während der Bräutigam der Braut den Ring ansteckt, kommt kein “Cut! Nochmal auf Anfang!” vom Regiestuhl. Der Moment ist vorbei und die Einstellung wäre verloren.

Zwischen Stabilität und Flexibilität
Stativ, Monopod, Freihand... andere Situationen erfordern andere Technik. Die Entscheidung, wann wir welche Art Stabilisation verwenden, ist von mehreren Faktoren abhängig: dem nötigen Grad an Flexibilität, dem Radius an Bewegungsfreiheit, der Länge der Vorbereitungszeit, dem Objektiv und dem restlichen Equipment. Außerdem spielt auch die Bedeutung der einzelnen Szene eine Rolle.
Bei einer Hochzeit wissen wir meist, wo (und wann) Braut und Bräutigam ihre Treueschwüre sprechen werden. Das gibt uns Zeit ein besonders stabiles Stativ für diese Einstellung einzurichten und so diesen emotional bedeutenden Augenblick bestmöglichst einzufangen. In einer Situation dagegen, die eher Improvisation benötigt, beispielsweise wenn das Brautpaar die Glückwünsche der Gäste entgegennimmt, verwenden wir flexiblere Stabilisatonstechniken wie Monopods, mit denen wir uns freier bewegen und den Winkel der Einstellungen schneller verändern können.
Neben der Situation beeinflussen auch Objektivwahl und zusätzliches Equipment unsere Entscheidung für die Art der Stabilisation. Objektive mit IS sind auf dem Monopod leichter zu halten aber 200mm sind auch mit IS nur sehr schwer ruhig zu halten. Ein Richtmikrofon auf der Kamera schließt die Steadycam aus, da es die Balance negativ beeinflusst.

Hier drei (sehr kurze) Clips, die den Unterschied einer Stativ-, Monopod- und handgehaltenen Aufnahme zeigen:



Besser einen wackeligen, als keinen Shot?
Die klare Antwort ist  - Jein. Der Brautvater stimmt im Überschwang der Gefühle nach der Kirche ein Lied an, das Stativ steht noch im Altarraum, der zweite Kameramann holt grad den Audiorecorder von der Empore und du hast nur das Monopod dabei? Tja, Unvorhergesehenes passiert - es gilt, keine Zeit zu verlieren und trotzdem eine saubere Einstellung zu bekommen. Jetzt zahlt es sich aus, wenn man ruhig stehen kann. Oder vielleicht ist auch ein Baum, eine Wand, ein Geländer da, dass zusätzlich zur Stabilisierung genutzt werden könnte.

Übung macht den Meister.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, die Grenzen des jeweiligen Equipments genau zu kennen. Das muss jeder für sich selbst rausfinden. Nur weil der eine mit Monopod und Glidetrack einen sauberen Shot machen kann, heisst das nicht, das es jeder andere auch kann.
Welche Stabilisatonstechnik ein jeder für seine DSLR am Ende des Tages wählt, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die durch viel Ausprobieren und Erfahrung bestimmt wird. Ich arbeite generell lieber mit einem Monopod, während Ingo auf ein stabileres Stativ wechselt, sobald er kann. Sicher trägt es auch viel zum persönlichen Filmstil bei. Letztendlich ist es vor allem wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten und deren Grenzen zu kennen. Dann wird es einfacher anhand der vorgegebenen Situation eine Option zu wählen und diese auch bewusst bis ans Limit auszureizen.

Gepostet um 17:25 am 27.04.2011 | Permalink | Kommentare (1)

Das Licht...
...macht die Stimmung. Nicht nur - aber signifikant! Ein Ereignis wie eine Hochzeit nehmen wir mit allen 5 Sinnen auf. Der Geruch der Kerzen, das Korkenknallen beim Sektempfang, der seidige Satin des Brautkleides, der Geschmack der Torte und die Sonnenstrahlen in der sonst dämmrigen Kirche. Mit dem Medium Video können wir die visuellen und auditiven Eindrücke festhalten. Damit der Eindruck im Video sich mit dem in der Erinnerung deckt, versuchen wir nichts abzuändern. Das bedeutet für uns, den Originalton möglichst klar und unverfälscht aufnehmen - aber auch die Lichtverhältnisse nicht durch Zusatzbeleuchtung zu verändern.
Die Canon Kameras arbeiten auch im hohen ISO-Bereich gut. Zusammen mit einem lichtstarken - sagen wir 50mm f/1.2 - Objektiv, sind auch Aufnahmen bei begrenzten Umgebungslicht möglich. Bei weit offener Blende empfiehlt es sich hier aber eine gewisse Toleranz bei der Schärfefokussierung an den Tag zu legen.

Ein Beispiel
Das vergangene Osterwochenende war - zumindest bei uns in Bayern - schon fast sommerlich warm, Hoch “Stephanie” und dem generell sehr spät fallenden Osterfest sei es gedankt. Was lag näher, als mit Nachbarn und Freunden ein Osterfeuer zu machen. Der interessierte Leser kann sich dazu hier schlau machen.
Zu späterer Stunde hab ich meine Kamera genommen und meine Tochter am Feuer gefilmt. Die Aufnahmen stammen von einer 5D und ich hatte das 50mm f/1.2 drauf - ISO auf Maximum. Einzige Lichtquelle war das Feuer - das könnt ihr an der Lichtfarbe, die ich bewusst nicht angepasst habe -sehr schön sehen.

Ja, natürlich sind die Aufnahmen nicht gestochen scharf. Ja, das Rauschen bei den hohen ISO-Werten könnt ihr deutlich sehen. Ja, auch der Fokus ist mal off. Aber das macht alles nichts, denn die Kamera fängt den Augenblick mit den Lichtverhältnissen ein, wie sie tatsächlich waren. Und damit deckt es sich mit meiner Erinnerung und den damit verbundenen anderen Sinneseindrücken. Das Bild in der originalen Lichtstimmung bringt das Knistern, den Rauch, die Hitze und selbst den Geschmack vom Steckerlbrot zurück. Und genau darum geht es!

Gepostet um 7:36 am 25.04.2011 | Permalink | Kommentare (0)

Stativ, Glider, Monopod, Kamera, LCD Viewfinder … die Liste an Gerätschafen und ist lang und das Zubehör zahlreich. Da wir alle nur zwei Hände und in der Regel keinen “Praktikanten” haben, den wir als Träger zu Hochzeiten mitnehmen können, brauchten wir eine handliche Lösung für einen Teil unserer Ausrüstung.

Alles dabei? Alles im Sack!
Für die eher sperrigen Ausrüstungsteile haben wir uns Stativtaschen angeschafft. Qualitativ mussten Stoff und Verarbeitung auch Wind und Wetter standhalten - wir sind ja nicht nur bei Hochzeiten unterwegs, sondern auch mal im Gelände oder in Firmenanlagen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass auch für unter 30 €  gute Qualität zu haben ist, die mit unterschiedlichster Beanspruchung klarkommt.

Die Hände frei für die Kamera
Als Knackpunkt einer passenden Stativtasche stellt sich der Tragegurt heraus. Ohne einen solchen habt Ihr sonst wieder die Hände nicht frei oder müsst Euch erstmal umsehen, wo Ihr die Tasche sicher ablegen könnt. Beim Tragegurt solltet Ihr genau auf die Verarbeitung und die Polsterung achten. Bei unseren Taschen sind die Halterungen für die Karabinerhaken fest und sicher so vernäht, dass sie sich bei Zugbelastung nicht gegen den Gurt verdrehen können. Ein gepolstertes Schulterpad erleichtert Euch das Tragen noch nach vielen Stunden und schützt vor tiefen Dellen im Trapezmuskel.

IMG_6926

Außerdem gilt es die Tragetasche und ihren Inhalt möglichst gut aufeinander abzustimmen. Ist die Tasche zu knapp bemessen, dauert das Ein- und Aussortieren zu lange. Ist die Tasche zu groß, rutscht der Inhalt herum und behindert Euch bei der Arbeit oder klappert womöglich.
Wir haben sowohl ein Videostativ und ein Monopod mit Videokopf, als auch die Gildeschiene in unseren Stativköchern. Die Öffnung lässt sich mit Kordelband variabel vergrößern und eine Kappe reicht einige Zentimeter über den Verschluß, dass auch eine gewisse Regenfestigkeit da ist. Alles in allem haben wir so unser sperriges Equipment für den Tag gut und sicher verpackt, aber auch schnell im Zugriff.

IMG_6927

Gepostet um 7:03 am 22.04.2011 | Permalink | Kommentare (0)

Wenn ich über unsere Arbeit spreche, lege ich Wert darauf von Hochzeitsfilmen zu sprechen. Technisch gesehen ist das eigentlich Quatsch, da unsere Kameras nicht mit Film arbeiten, sondern digital aufzeichnen. Ich halte es trotzdem für angebracht, nicht nur weil DSLR Kameras den beliebten „Hollywood Film Look“ der 35mm Kameras wiedergeben, sondern auch weil wir uns für unsere Arbeitsweise sowohl bei der Aufnahme als auch im Schnitt immer wieder von den großen Meistern aus der Traumfabrik inspirieren lassen.

Der Filmschnitt wird gerade von Quereinsteigern gern unterschätzt und sich in Premiere, Final Cut oder Edius einzuarbeiten, braucht Zeit. Wenn man sich dann doch daran macht und die ersten Clips zusammengeschnitten hat, sieht das Endergebnis manchmal anders aus, als man gedacht hätte. Irgendetwas passt einfach nicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt es daran, dass man eine unbeliebte Kleinigkeit übersprungen hat: die Theorie.

Verpöhnte Theorie
Mal ehrlich, keiner paukt gern Theorie. Doch auch beim Film verbessert ein wenig theoretisches Verständnis das Endergebnis oft merklich. Gestaltungsgrundsätze, Montagetechniken, Schnittrhythmus … von der 180°-Regel bis zu Match- und Jumpcuts ... jeder dieser Punkte hätte einen eigenen Blogeintrag verdient. Viel davon wird der ambitionierte Einsteiger intuitiv anwenden, auch wenn er nicht genau weiß warum. Aber für eine gelungene Komposition des Endwerks lohnt es sich, auch mal die Grundlagenbücher durchzublättern.

90% Organisation und 10% Kreativität
Nun ist ein Event und dessen Dokumentation etwas anders als die Produktion eines Hollywood Films. Peter Jackson weiß schon bevor die Filmrolle überhaupt in der Kamera liegt, welche Einstellungen er braucht, um die zum Ziel gesetzte Schnittdramaturgie umzusetzen. Diesen Luxus haben wir bei einem Event nicht. Denn auch wenn die “Storyline” für einen Hochzeitsfilm überschaubar ist, müssen wir mit den Gegebenheiten vor Ort arbeiten. Das macht unsere Arbeit um einiges aufregender, aber auch schwerer zu planen.

Also, was tun? Vor unserer erste Hochzeit haben wir uns zusammen gesetzt und beraten. Wir wussten, wie das “Drehbuch der Hochzeit” war und wie der Tag ablaufen würde. Wir wussten ebenfalls, welchen Stil wir erreichen wollten. Jetzt war die Frage, wie wir filmen würden, damit die Aufnahmen der drei verschiedenen Kameras miteinander kompatibel und damit ein stimmiges Ergebnis im Schnitt möglich sein würde. Hätten wir am Ende des Tages nur Close-Ups der Braut von Katja und Totale vom Bräutigam von Ingo, würde es schwierig werden, eine stimmige Komposition zu erzielen.

Gepostet um 12:55 am 19.04.2011 | Permalink | Kommentare (0)

Jeder Fotograf entscheidet sich irgendwann für einen bestimmten Hersteller. Vielleicht nicht bei der ersten Kamera, bestimmt aber bei der ersten teuren. Bei den SRL-Kameras waren wir stark Minolta-geprägt. Mit dem Kauf unserer ersten DSLR-Kamera - einer Canon 50D - hatten wir Canon als Hersteller gewählt und sind bis heute dabei. Das ist nicht verwunderlich, denn das Zeitfenster noch einmal zu wechseln ist ohnehin eher kurz. Mit jedem neuen Objektiv steigt sowohl die finanzielle, als auch die emotionale Hürde zum Wechsel.

Die 5D MKII haben wir noch als Fotokamera gekauft. Dass wir uns mit diesem Modell dem Medium Film annäherten, wurde uns erst bewusst, als eine Abschlußarbeit für Franziskas Multimedia Productions Studium anstand. Von da an war es nur noch ein kurzer Weg zum Filmen mit DSLR. Wenig später schon wurde die 50D von einer 7D abgelöst und später noch eine 550D angeschafft. Die Handhabung der Kameras ist unkompliziert. Die 5D hebt sich qualitativ von den beiden anderen Modellen ab und kann als Full Frame Kamera unsere Objektive im vollen Millimeter-Bereich nutzen.

Die Vorteile für DSLR Video liegen auf der Hand. Die Gehäuse sind kompakt und leicht, der Einsatz der Kameras unauffälliger. Bei Hochzeiten sind sich die Gäste teilweise nicht mal bewusst, dass wir filmen und nicht fotografieren. Die Wechselobjektive der Kameras erlauben uns einen vielseitigen Brennweitenbereich und damit verschiedenste Bildwirkungen. Ob Tiefenunschärfe, Tilt-Shift-Aufnahmen, Kamerafahrten oder Steady-Cam, die resultierenden Clips unterscheiden sich in der Regel deutlich vom Videokamera-Look üblicher HD-Recorder. Nicht zuletzt deshalb werden DSLR inzwischen in großen Film und Serienproduktionen eingesetzt.

Die Entwicklung im DSLR-Film Bereich geht zügig weiter. Mit der 60D hat Canon eine Kamera mit Schwenkdisplay auf den Markt gebracht, die weiter auf die Besonderheiten DSLR Film abzielt und zeigt damit, dass dieser Nutzungsbereich der Kameras nicht länger eine Ausnahme ist. Wir sind schon gespannt, was als nächstes kommt!

In den letzten Monaten haben uns immer wieder Fragen von Kollegen, Fotografen und Videografen erreicht. Mit diesem Technikblog möchten wir auf einige dieser Fragen Antworten geben, uns mit Anderen austauschen, um die Hochzeitsvideografie in Deutschland gemeinsam weiterentwickeln.

Gepostet um 7:38 am 16.04.2011 | Permalink | Kommentare (0)